Dekanat Gießen

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Gießen zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

          AngeboteÜbersicht
          Menümobile menu

          Gefängnisseelsorge

          Pfarrer Johannes Blum-Seebach ist Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Gießen. Foto: M. Hartmann

          Ich bin gefangen gewesen und ihr habt mich besucht. Unter diesem Jesus-Wort steht die Gefängnisseelsorge. Der Gesetzgeber hat sie im Strafvollzugsgesetz festgeschrieben und räumt der Kirche große Freiheiten ein. Etwa 300 Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten in deutschen Justizvollzugsanstalten. Jederzeit ist es Pfarrern möglich, Gefangene zu besuchen und sie in ihrer Religionsausübung als Vertreter der Kirchen zu unterstützen, ohne dabei selbst Teil des Strafvollzugs zu sein. Sogar in die Häftlingsakten darf der Pfarrer schauen, wenn es sein seelsorgerlicher Auftrag gebietet.

          Beispiel Justizvollzugsanstalt Gießen

          Ein Gefängnispfarrer ist Sonntagsprediger und Beichtvater, aber auch Dienstleister, erzählt Johannes Blum-Seebach. Seit 2012 ist er Evangelischer Gefängnisseelsorger in Gießen. Diakonische Hilfe, nennt er es, wenn er einen Insassen telefonieren lässt, obwohl der sein offizielles, monatliches Telefonbudget verbraucht hat, die Sorgen um Familie oder Partnerin aber drücken. Ein Gefangener etwa bat darum telefonieren zu können, weil er sich regelmäßig nach dem Zustand seiner schwangeren Freundin erkundigen wollte.

          Ein Gefängnispfarrer genießt großes Vertrauen. Manches wird ihm unter Tränen erzählt. Und nichts davon geht ihm gegenüber Dritten über die Lippen. Das Beichtgeheimnis gilt absolut, auch und gerade hinter Mauern und Gittern. Die Häftlinge können sicher sein, dass ihre offenen Worte keinen Einfluss auf den Vollzugsplan haben, von dem auch die Haftdauer abhängt.

          Gottesdienst um 8 Uhr vor dem Hofgang

          Blum-Seebach passt seine Anwesenheit und den Zeitpunkt der Gespräche im Gefängnis dem Tagesablauf der Anstalt an. Um 10 Uhr beispielsweise würde ein Gespräch dem Häftling den täglichen, einstündigen Hofgang nehmen. Auch der gut besuchte Sonntagsgottesdienst beginnt bereits um 8 Uhr vor dem  Hofgang. Eine Kapelle steht in Gießen nicht zur Verfügung, stattdessen wird ein Mehrzweckraum umgebaut. Wo Häftlinge wochentags an Tischtennisplatten oder Hantelbänken trainieren, stehen am Sonntag ein Altar und Stühle. Musik machen die Gefangenen selber. Ein begabter Gitarrist, ein Schlagzeuger und leidenschaftliche Sänger finden sich immer unter den Häftlingen.

          Menschenwürde auch für Straftäter

          Seelsorger begegnen im Gefängnis Menschen, mit denen andere nichts zu tun haben wollen. Wenn Pfarrer in den Gefängnissen arbeiten, dann verharmlosen sie die Schwere menschlicher Schuld nicht, heißt es in einer Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Gefängnisseelsorge. Aber sie sind dem Gedanken verpflichtet, dass auch Straftäter Menschenwürde verdienen, selbst dann, wenn sie die Würde und das Recht auf Unversehrtheit anderer Menschen verletzt haben. Letztlich geht es darum, Menschen dabei zu helfen, sich ihrer Schuld zu stellen und einen neuen Anfang zu versuchen. Die Evangelische Kirche sieht die Aufgabe der Gefängnisseelsorger darin, Brücken zu schlagen aus der abgeschlossenen Welt.

          Diese Seite:Download PDFDrucken

          to top