Gedanken zum 31. Januar 2026 

Namen

Von Barbara Lang

„Ach, ist das ein süßer Name!“ oder „Was haben die Eltern sich nur gedacht, ihrem Kind diesen Namen zu geben?“. Wenn ein Kind geboren wird, gibt es oft viele Meinungen zum Namen des Neugeborenen. Zu altmodisch, zu unbekannt, zu kurz, zu lang, … 

Mögen Sie Ihren Namen? Wir tragen ihn durch unser ganzes Leben, mal damit einverstanden, mal gleichgültig, manchmal auch so unzufrieden, dass man auf den zweiten Vornamen ausweicht oder sich gleich einen neuen zulegt. Wie auch immer, mein Name gehört zu mir, ganz selbstverständlich und ist doch etwas Besonderes. 

"Ich hatte keinen Namen - mein Name war 27.633, eintätowiert auf meinem Unterarm“ – diese Worte fielen vergangene Woche beim Gedenken des Deutschen Bundestages an die Opfer des Nationalsozialismus und Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Die bewegende Rede hielt Tova Friedmann, die als 6-Jährige das Morden überlebte. Frauen und Männern, Kindern und Alten nahm man das Leben und zuvor schon Kleidung, Würde, Individualität und den Namen. Sich an die Namen der Opfer zu erinnern, holt ihre Identität, ihre Würde zurück. Das gilt auch heute. 

„Say their names“ Nenn ihre Namen, fordert das Wandbild, das in Kentucky, USA, nach rassistischen Morden vor mehreren Jahren angebracht wurde. Der Aufruf wurde zur Bewegung, ganz in unsrer Nähe in Hanau und wie auch in vielen Ländern der Welt. Die Namen erinnern an die, die sonst so leicht überhört und vergessen werden.

Gott spricht: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir.“ Namen sind bei ihm alles andere als Schall und Rauch, der Name macht uns zu Individuen, unverwechselbar, einzigartig. Das gilt für jede einzelne Person, ob weltberühmt oder abseits der großen Bühne. Jede und jeder ein Individuum, eines von derzeit über acht Milliarden Menschen auf dieser Erde. Eine unverwechselbare Liebeserklärung. 

Dekanin Barbara Lang, Evangelisches Dekanat Gießener Land