Wort_ zum Sonntag                      20. Juni 2026

Halbzeitpause

Von Jolanda Gräßel-Farnbauer

In den nächsten Wochen gibt es viele Halbzeitpausen, für diejenigen, die bei der WM mitspielen oder mitfiebern. Es ist aber auch Halbzeitpause im Jahresverlauf. Am 24. Juni ist ein halbes Jahr seit Weihnachten vergangen und bis zum nächsten Weihnachtsfest sind es noch genau sechs Monate. Das Jahr ist auf seiner Höhe. Laue Sommerabende laden zum gemeinsamen Fußballschauen oder einfach zum Genießen ein. Für viele ist Halbzeitpause und Urlaubszeit. Für die Schulkinder und Lehrkräfte stehen die großen Ferien vor der Tür. Zeit zum Durchatmen. Sommergenießen. Tun, worauf man Lust hat. Der Johannistag am 24. Juni ist auch eine Einladung zum Innehalten, zur Unterbrechung, zum Nachdenken: Was blüht? Was ist gereift in meinem Leben? Was geht zu Ende? Was beginnt? Was soll wachsen? Was macht mir Angst? Wo ist es dunkel? Wo ist Schmerz? Wovon muss ich Abschied nehmen? Was muss ich loslassen?

Woran habe ich Freude? Wo ist es hell? Wo bin ich glücklich? Was fängt neu an?

In einem Lied für den Johannistag aus dem Gotteslob, dem katholischen Gesangbuch, heißt es: 
„Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein. Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.“

Zeit für eine Halbzeitpause. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in den nächsten Wochen.

Jolanda Gräßel-Farnbauer ist Pfarrerin im Nachbarschaftsraum Lumdatal