Paul Gerhard - Dichter der Hoffnung

Paul Gerhardt und sein berühmtes Sommerlied

„Geh aus mein Herz“ ist nicht nur eines der schönsten Sommerlieder. Es ist auch ein Spiegel der Hoffnung. Von Stadtkirchenpfarrer Gabriel Brand.

Der evangelische Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt gehört zu bekanntesten Autoren geistlicher Lieder. Viele seiner Lieder werden bis heute in Gottesdiensten gesungen und nicht wenige von uns haben bekannte Liedzeilen und Melodien im Kopf. Gerhardt ist ein Teil der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte. Geboren wurde er am 12. März 1607 in Gräfenhainichen in der Nähe von Wittenberg. Gestorben ist er vor 350 Jahren am 27. Mai 1676 in Lübben (Spreewald). Sein Leben verbrachte er auf dem Gebiet des heutigen Ostdeutschlands. Darüber ist er nicht hinausgekommen. Aber seine Gedichte und Lieder sind im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt. 

Leben in schwierigen Zeiten

Gerhardts Leben fiel zu seinem größten Teil in eine der schlimmsten Zeiten der deutschen Geschichte: den Dreißigjährigen Krieg. Dieser Krieg verwüstete weite Teile Europas und brachte unendliches Leid über die Menschen. Die Erfahrungen von Not, Verlust, Gewalt und Unsicherheit prägten nicht nur das Leben von Gerhardt, sondern spiegeln sich zugleich in seinen Liedern wider. Trotz oder gerade wegen dieser Erfahrungen sprechen sie von Trost, Hoffnung und einen tiefen Glauben in Gott. Auch sein persönliches Leben war von schweren Schicksalsschlägen geprägt: Mehrere seiner Kinder starben früh, und auch seine Frau verstarb vor ihm. Dennoch verlor Gerhardt nie seinen tiefen Glauben. Gerade in schwierigen Zeiten schrieb er Lieder, die Menschen Trost und Zuversicht geben sollten. Gerhardt ist deshalb nicht nur ein herausragender Dichter, sondern auch ein Vorbild für Generationen nach ihm und eine bedeutende evangelische Persönlichkeit.

Ein Sommerlied voller Trost und Hoffnung

Trost und Hoffnung, aber Freude und Dankbarkeit drückt vor allem das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ aus, das er im Jahr 1653 schrieb. Es gehört zu den beliebtesten Liedern von Gerhards heute. Das Ende des Krieges lag schon einige Jahre zurück, aber die Folgen waren noch überall spürbar. Gerade da beschreibt Gerhardt die Schönheit der Natur und die Schönheit der Ewigkeit. 

Gleich in der ersten Strophe lädt uns Gerhardt dazu ein, mit hinauszugehen und die Natur bewusst wahrzunehmen. Wir alle sollen in der „lieben Sommerzeit“ die Gaben Gottes entdecken und uns an ihnen erfreuen. Dann beschreibt er in den folgenden Strophen unübertroffen Blumen, Pflanzen, Gärten, Tiere und Vögel. Die Natur erscheint dabei als ein großer, lebendiger Garten, der von Gott geschaffen wurde. All diese wunderbaren Bilder zeigen, wie reich und schön die Welt ist und wie viel Grund zur Dankbarkeit sie bietet.

Doch das Lied bleibt nicht bei der Natur stehen. Ab der achten Strophe richtet sich der Blick auf das Leben des Menschen und bringt die Hoffnung auf das ewige Leben zum Ausdruck. Unser Herz möge wie ein schöner Garten werden, in dem Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen. Damit verbindet das Lied Naturbetrachtung mit einem tiefen religiösen Gedanken.

Das Lied ist ein Spiegel der Hoffnung

Unsere Welt heute unterscheidet sich sehr von der Welt des Paul Gerhardt. Die manchmal einfältige Frömmigkeit Gerhardts ist uns ebenso fremd geworden, wie die barocke Sprache des Dichters. Und doch vermögen uns seine Zeilen noch tief zu berühren. Das liegt sicher an seiner einfachen und bildreichen Sprache. Aber wir spüren auch die Kraft der Hoffnung und des Trostes der Zeilen, gerade jetzt, wo auch für uns die Zeiten zunehmend bedrohlich und ungewiss werden. Die Schönheit der Natur ist nicht nur ein Grund zur Freude, sondern erinnert uns daran, dass alles, auch wir, Gottes Schöpfung sind. Das ist ein Trost. Das Lied öffnet zugleich den Blick über dieses Leben hinaus. Es erinnert daran, dass diese Welt nicht endgültig, sondern dass eine andere Welt möglich ist – im Himmel und auf Erden. Das Lied „Geh aus, mein Herz“ ist ein großartiger Spiegel der Hoffnung.

Das Evangelische Dekanat Gießen erinnert mit Paul-Gerhardt-Festtagen Ende Mai an diese evangelische Persönlichkeit. Zum Programm