Nacht der Chöre mit großer musikalischer Vielfalt

veröffentlicht 16.09.2026, Ev. Dekanat Gießen

Die „Gießener Nacht der Chöre“ hat eine seit 2015 bestehende Tradition. Bei der vierten Auflage waren in der Johanneskirche bewährte, aber auch erstmals teilnehmende Ensembles vertreten.

Durch den Abend führten Dekanin Carolin Kalbhenn und der Vorsitzende des Evangelischen Dekanats, Gerhard Schulze-Velmede. Das Programm schlug einen weiten Bogen von der Renaissance bis zur Gegenwart. Es verband klassische Chorliteratur mit Spirituals und modernen Kompositionen.

Rhythmusbetonte Musik stand neben kraftvollen oder träumerischen Stücken. Das Spektrum reichte bis hin zum Neuen Geistlichen Lied sowie zu avantgardistischen Strömungen. Als Begleitinstrument fungierte das Klavier, zuweilen auch Flöte und Violine. Im Ganzen kam die Nacht einem Plädoyer fürs gemeinsame Singen gleich, unterstrichen durch Stücke, bei denen die zahlreichen Besucher mitwirken konnten. Zwei Pausen boten Gelegenheit, bei Imbiss und Getränken miteinander ins Gespräch zu kommen.

16 Ensembles treten auf

Es würde den Rahmen sprengen, alle Beiträge der insgesamt 16 Ensembles zu würdigen. Der Jugendchor der Johanneskirche lieferte, geleitet von Kantor Christoph Koerber, mit Paul Kickstadts Kanon „Soli Deo Gloria“ einen melodisch reizvollen Auftakt. Für Offenheit warb das Ensemble mit Bob Chilcotts Stück „Can you hear me“, das, unterstützt durch Gebärdensprache, von der Schönheit der Welt aus der Sicht eines Gehörlosen erzählte. Eine lateinamerikanisch-poppige Note brachte Roger Emersons Samba „Cantata Brasilia!“.

Der Kinder- und Jugendchor des Stadttheaters sang unter der Leitung von Franziska de Gilde rhythmisch bestimmt den Song „It‘s the Hard Knock Life“ aus dem Musical „Annie“ von Charles Strouse und Martin Charnin. Für Gänsehaut sorgte der Chor der Liebigschule (Leitung: Peter Schmitt und Dr. Florian Ilge) mit seiner feinen Interpretation von Leonard Cohens Dauerbrenner „Hallelujah“. Alle Jugendchöre zusammen widmeten sich Oscar Petersons „Hymn to Freedom“ und boten hier ein imposantes Bild im Altarraum.

Werbung für Bach

Die Johanneskantorei machte dann mit dem „Dona nobis pacem“ Werbung für die Aufführung von Johann Sebastian Bachs „h-Moll-Messe“ am 29. November um 17 Uhr an gleicher Stelle. Demgegenüber lieferte der Kammerchor Klangfarben Gießen mit Oliver Gies‘ Arrangement „Kein schöner Land / Sayari yetu“ eine bereichernde Synthese aus deutschem Volkslied und afrikanischer Weise. Auch mit Frank Tichelis „Earth Song“ trat das Ensemble unter Leitung von Jean Kleeb für gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Verhältnisse ein. Die weiteste Anreise hatten die Chorgemeinschaft Germania Griedelbach 1897/1924, Klangfarben Grävenwiesbach und der Gesangverein Liederkranz Dietenhausen, die sich unter anderem mit Hreidar Thorsteinssons „Ubi caritas“ in die Herzen der Hörer sangen.

Auch der Chor der Evangelischen Gemeinde Watzenborn-Steinberg (Leitung: Cordula Scobel) berührte durch beseelten Vortrag, in Maurice Bevans „There’s a Wideness in God‘s mercy“ ebenso wie in Amy Beachs „Peace I leave with you“. Besondere räumliche Wirkung entfaltete das Gießener Vocalensemble mit Marina Sagorski am Pult in „Evening rise“ durch die im Saal verteilte Aufstellung. Zu den technisch wie gestalterisch anspruchsvollsten Beiträgen zählte gewiss das 1990 entstandene Werk „Kasar mie la gaji“ des venezolanischen Komponisten Alberto Grau. Dirigiert von Elisabeth Tzschentke, meisterte Cantamus Gießen souverän die kniffligen, bis hin zum rhythmischen Sprechgesang reichenden Stilmittel. Das Programm klang daraufhin besinnlich-ruhig mit den Liedern „Guten Abend, gut‘ Nacht“ und „Der Mond ist aufgegangen“ aus.

Bericht und Foto: Sascha Jouini