Dekanin Carolin Kalbhenn eingeführt

veröffentlicht 11.05.2026, Ev. Dekanat Gießen

Pfarrerin Carolin Kalbhenn wurde am Freitag, 8. Mai, in einem Gottesdienst in der Gießener Johanneskirche, Südanlage 13, als Dekanin des Evangelischen Dekanats Gießen von Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer offiziell in ihr Amt eingeführt.

Klaus-Dieter Jung berichtete für den Gießener Anzeiger: 


Einführung durch Pröpstin Sabine-Bertram Schäfer

Für ihre Einführung hatte sich die neue Dekanin Vers 9 aus dem Psalm 31 „Du stellst meine Füße auf breiten Raum“ als Bibelwort ausgesucht. Für die Pfarrerin habe dieses Psalmwort viel mit ihrem Leben und ihrer Arbeit in der Kirche zu tun, sagte Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer in ihrer Ansprache. Kalbhenn wuchs in einem Pfarrhaus im Vogelsberg auf. Die Vielseitigkeit von Kirche und die Begegnungen mit Menschen seien ihr bekannt. Und sie habe gesehen, dass hier Menschen miteinander unterwegs sind. „Als kleiner werdende Kirche ist es umso wichtiger, dass es viele unterschiedliche Räume gibt“, klärte die Pröpstin auf. In diesen Räumen Gottbegegnungen zu ermöglichen und den Blick in die Welt zu behalten, ist und bleibt die Aufgabe von Kirche. „Davon bin ich überzeugt!“ 

An die neue Dekanin gerichtet, meinte Sabine Bertram-Schäfer, dafür würde sie zusammen mit anderen Sorge tragen. Den Segen, den sie der Dekanin erteilte, werde sie weitergeben, einzelne Menschen begleiten, Kirchenvorstände beraten und als Kirchenleitung vor Ort Entscheidungen vorantreiben, schaute die Pröpstin in die Zukunft von Kalbhenn. Ihre neue Aufgabe werde sein, als Dienstvorgesetzte zuzuhören, zu stärken und fürsorglich zu handeln. Die Vertretung der Gesamtkirche und die Umsetzung deren Beschlüsse zählen ebenso zum Spektrum. „Bei allem, was Du tun wirst, wird Dir Gott die Kraft geben und die Richtung zeigen“, machte Bertram-Schäfer deutlich. Und wenn es Zeiten geben wird, in denen sich Kalbhenn frage, wie es weitergehen kann, dann solle sie auf die Worte des 31. Psalm hören, gab sie ihr mit auf den Weg.

Geschichte von Jesus am Ölberg

Dekanin Kalbhenn predigte zu einem Abschnitt aus dem Lukasevangelium. Sie lud dazu die Gottesdienstbesucher ein, über die Kirche und über Kirche im Dekanat Gießen nachzudenken.
In der Geschichte von Jesus am Ölberg verlangten die Pharisäer, er solle seine Jünger zurechtweisen. Doch er sagte: „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“ An diesem Satz sei sie gedanklich hängen geblieben, erläuterte die Predigerin. Schreiende Steine habe sie sofort vor Augen: beim Krieg in der Ukraine, beim Schutzraum im Kibbuz Be’eri, vor dem Massaker der Hamas. Ohrenbetäubend sei das Geschrei der Steine überall dort. Bei ihrer Arbeit als Gemeindepfarrerin begegneten ihr auch diese Steine: in Wohnungen mit Einsamkeit, wo der Mangel und die Armut sich durch die schöne Fassade Gehör verschafften und die Klage über Ungerechtigkeit und „die da oben“ im Raum hänge.

„Schreiende Steine lassen sich nicht mundtot machen“

„Schreiende Steine lassen sich nicht mundtot machen“, stellte Carolin Kalbhenn fest. Und fragte, ob man sich die Kirche jubelnd, singend und betend vorstellen könne. Überhaupt und im hiesigen Dekanat im Besonderen. Der Glaube sei nichts für das stille Kämmerlein. Er suche die Kommunikation, den Ausdruck, die Resonanz mit der Welt, in der wir leben – „an Bieber und Dünsberg, in Gießen, Linden, Langgöns und rund um den Schiffenberg“. Die Dekanin wünscht sich für ihre sechs Jahre Amtszeit, dass die Steine nicht gezwungen werden, an der Stelle der Kirche zu schreien. „Sie möge vielstimmig und vernehmbar, überzeugend, glaubwürdig und ansteckend, im Dialog mit unseren Partnern in Gesellschaft, Politik, den Religionen und Konfessionen die Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes zum Klingen bringen.“

Die Predigt im Wortlaut (PDF-Download)

Zum vollständigen Artikel:
https://www.giessener-anzeiger.de/stadt-giessen/carolin-kalbhenn-wuenscht-sich-eine-vielstimmige-und-glaubwuerdige-kirche-94300572.html