Es geht sehr oft um Einsamkeit. Das berichtet Johanna Klier, katholische Leiterin der ökumenischen Telefonseelsorgestelle. Wie schon 2024 sei Einsamkeit der häufigste Anlass für die rund 13.000 Anrufe gewesen. Viele Menschen erlebten sich in schmerzhafter Isolation. „Wir können am Telefon nicht die Menschen ersetzen, die im Leben der Anrufenden fehlen“, erläutert Klier. „Aber wir sind für die Dauer eines Gesprächs da und so kann zumindest ein Moment der Verbundenheit entstehen.“
Belastende Themen
Neben Einsamkeit spielten auch Ängste und depressive Verstimmungen eine große Rolle. Häufig wollten die Anrufenden ihre Sorgen nicht mit Angehörigen teilen, um ihnen nicht zur Last zu fallen. Der Schutz der Anonymität ermögliche es zudem, sehr belastende Themen offen anzusprechen. Auch Gedanken an Suizid könnten so zur Sprache kommen. „Die Menschen finden bei uns einen Raum, in dem sie sich mit allem zeigen dürfen, was sie bewegt“, so Klier. Deutschlandweit wandten sich im vergangenen Jahr mehr als 1,7 Millionen Menschen an die Telefonseelsorge; telefonisch sowie per Chat und E-Mail. Ihnen stehen bundesweit über 7.000 ehrenamtlich Mitarbeitende in mehr als 100 Dienststellen zur Seite.
Auch in der Region Gießen-Wetzlar nimmt die schriftliche Seelsorge an Bedeutung zu. Im Jahr 2025 führten die Ehrenamtlichen rund 900 Chats und beantworteten etwa 250 E-Mails. „Wir sind rund um die Uhr erreichbar auf allen drei Kanälen, an allen Tagen des Jahres“, betont Klier. Gerade an Feiertagen und zum Jahreswechsel sei es für viele Menschen wichtig, einen verlässlichen Ansprechpartner zu haben. Die Zahl der Ehrenamtlichen, die sich für die Chat- und Mailseelsorge qualifizieren, wachse stetig. Im vergangenen Jahr wurden erneut entsprechende Ausbildungen in Gießen angeboten.
Regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen für die Mitarbeitenden
Grundlage der Arbeit bleibe jedoch weiterhin die Seelsorge am Telefon. Erst vor wenigen Wochen seien elf neue Ehrenamtliche nach Abschluss ihrer einjährigen Ausbildung in einem feierlichen Gottesdienst in ihren Dienst eingeführt worden. Insgesamt engagieren sich nun mehr als 90 qualifizierte Ehrenamtliche in der Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar. Besonderen Wert lege man auf eine gute Begleitung der Mitarbeitenden, so Klier. Regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen sorgten dafür, dass der verantwortungsvolle Dienst auch langfristig erfüllend bleibe.
Ende Januar begann ein neuer Ausbildungsdurchgang. Interessenten können sich über die Internetseite telefonseelsorge-giessen-wetzlar.de informieren und bewerben.
“Wenn Seelsorge Therapie ersetzen muss” - Bericht über Anrufende mit psychischen Erkrankungen